Schloss Erbenhausen

Schon im Jahre 845 soll es urkundlich vorkommen (nach Kronfelds Angabe), und 1463 wurde es unter Heinrich von Henneberg, s. Heft II. S. 52, gänzlich geplündert und niedergebrannt, welchen schrecklichen Ueberfall auch der Chronist Cyriacus Spangenberg in seiner Hennebergischen Chronik aus 1598 berichtet. Es ist bei dem rachedürstigen Vorgehen „oder dem freventlichen und feindlichen Beginnen der Adelichen Heinrich von Urff, Wigandt von Holtzheim und Hermann von Liederbach und ihrer leichtfertigen losen Galgenrotte wieder die fürstliche Grafschaft Henneberg“ nicht schwer, als wahrscheinlich anzunehmen, daß in Erbenhausen (wozu parochial auch Mittelsdorf gehörte) irgend ein zu Fürst Heinrich (von Merlins) haltender Ritter, seßhaft war. Kronfeld durfte sonach zu Erbenhausen notieren: „Da wo jetzt das Forsthaus steht, hat ehedem eine Burg gestanden. Eine tüchtige Mauer umschließt jetzt noch Kirche und Schule.“ -[1] Weinrich, Heim, Schultes Spieß und Binder erwähnen keiner „Burg“ zu Erbenhausen, und aus den alten Gemeinde-Aktenblättern, die ich leider vom Gemeindevorstand noch nicht zur Durchsicht eingehändigt bekommen, wird wohl kein Aufschluß über die Burgfrage gewonnen. In Zusannnentragungen der Pfarr-Chronik von Kaltenwestheim (welcher Ort die Mutterkirche für Erbenhausen gewesen; s. Heft I. S. 65) steht unter Anderm: „Erbenhausen hat ein Schloß gehabt, welches unten am Dorfe nach Reichenhausen zu lag, wo jetzt die Försterei steht, dessen letzte Ueberreste erst in neuerer Zeit abgetragen worden sind.“ – Sollte am Ende das vermeintliche Burgwesen von Erbenhausen nur ein Vorwerk der so allzu nahen Burg Altmark gewesen sein? Ueberdies ist das Terrain an oder unter dem Erbenhäuser „Fixberg (Füchs’berg)“ einem Burgcharakter zu wenig entsprechend. Vielleicht war dort nur eine massive Behausung entweder für „Buschklepper“[2], oder für „Schmuggler“ zum zeitweiligen Verhehlen der übergangs-zollpflichtigen Waaren (Contrebande). Der Stellberg, ¼ St. südlich von Erbenhausen, (661 m), oberhalb der „Kahlenbuche“, kegelförmig, basaltig, mit Weitblick, hatte (nach Andeutung der Westheimer Chronik) einst ein „Castell“-Burg oder kl. Festung. Noch in der neuern Zeit habe man Gemäuerreste gesehen und Schutthaufen, besonders gut erhaltene Keller. Die Steine davon hätte J. A. Gr. aus Reichenhausen ausgebrochen und als Bausteine zu seinen Gebäuden verwendet. Ein Bauer Sch. aus Erbenhausen habe diese Steine gefahren. Da Gr. später auch sehr reich und nur schlechtweg „der reiche Schr.“ genannt wurde, glaubte man, er habe beim Ausbrechen der Castell-Ruine seine Reichtümer gefunden“. Nehmen wir von dem Castell sein ehemaliges Bestehen für begründet an, darf man auch die Möglichkeit aussprechen, daß das feste Haus von Erbenhausen, gleichsam ein kleines „Fort“ (Schanze oder Beifestung) für das Stellbergs-Castell gewesen ist. –

Blicken wir nun vom Rhönberge-Dreifuß „Altmarks-, Streufels- und Stellberg“ -, innerhalb dessen von alter Zeit her Ziegelöfen in beträchtlicher Thätigkeit sind (n. Schultes Beschreibung der Aemter Lichtenberg und Kaltennordheim 1804. II. S. 114), auch südwärts in das mildere Unterfranken, so gewahren wir in der Rhön-Streu-Gebirgsrunde ein altes erhabenes Burgen-Dreigestirn: die Hilden-, die Königs- und die Lichtenburg.


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –


[1] Der Oberförster dort versicherte mir auch, daß im Forsthause und dessen Gehöfte noch stellenweis Spuren eines vorzeitlichen Schlosses oder Herrenhauses sich fänden. – Eine unter der äußern Kirchtreppe aufs Gesicht gelegte, mit Bildnis behauene Steinplatte betrifft keinesfalls einen Ritter von Rubenhus oder Geruvineshusum, deren auch keiner in den bekannten Chroniken auftritt.

[2] Nach Vollbeding’s grammatisch-kritischem Wörterbuche = Unteraufseher gegen Holz- und Wilddiebe.


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– nach Themen sortiert –


 

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