Der Rhöner Dialekt

Zitiert aus „Baier-Bote“ 6(2008)09 vom 26. September 2008:

Zu Gemeinsamkeiten der Sprache unserer Gegend aus Sicht der Dialektforschung  mit dem heutigen Königreich der Vereinigten Niederlande, sowie mit Schottland, Großbritannien und Wales!

Der Dialekt wie er noch heute in unserer Gegend gesprochen wird liegt in seinem Ursprung in der fränkischen Besiedlung, sowie auch in der Völkerwanderung um 500 n. C. Dabei handelt es sich in seiner Grundform um den fränkischen Dialekt. Es gibt dazu mehrere Auffassungen. Neuere Erkenntnisse gehen davon aus, dass eine Ausdehnung dieser Sprache bzw. Dialektes oder auch Mundart von Dünkirchen und Amsterdam bis an die Unstrut, Saale, Donau und bis in das Riesengebirge stattfand. Reduzieren wir vorerst das fränkische Sprachgebiet auf seine wirklichen Grenzen.

Die Sprache, die östlich des Spessarts und Vogelsberg gesprochen wird, ist alles, nur nicht Fränkisch. Hessen und Thüringen haben ihre eigenen Dialekte, wie sie von selbständigen Stämmen die hier wohnten auch gesprochen wurde. In Mainfranken ist ein Gemisch slawischer, thüringischer und hessischer Bevölkerung mit bayrischen und fränkischen Elementen durchgesetzt worden. Entscheidend ist der Grad der Lautverschiebungen aus dem Hochdeutschen, nur so kann man diese drei Sprachzweige dem Fränkischen zuweisen.

Durch die Herausbildung von zwei fränkischen Hauptstämmen kam es zur Herausbildung von besonderen Mundarten und Dialekten. So in Salisch und Ripuarischen. Durch die Völkerwanderung, aber auch durch Naturkatastrophen, besonders vom 12. -14. Jahrh. an der Nordsee, kam es zu Abwanderungen bzw. Besiedlungen bei uns aus dem heutigen Holland. Was war in dieser Zeit bereits vor der „Großen Völkerwanderung“? Hier lebten bereits Menschen. In der Geschichte sind zwei kleine Königreiche, aber auch zwei Herzogtümer eingegangen. Ihre ehe­maligen Herrschaftssitze sind nicht mehr auffindbar, auch die Grenzen ihrer Machtbereiche liegen im Dunkeln. Auch das Kupfersuchende Volk der Glockenbecherkultur war vor der Zeitrechnung bereits hier ansässig. Wie bereits oben erwähnt siedelten dann ab der Völkerwanderung aus den verschiedenen Gründen hier aus Menschen aus den Niederlanden, Mönche aus Schottland, Irland und Wales. Hier sind die Wurzeln unserer Gemeinsamkeiten zu sehen. So sieht die Landschaft z. B. in Schottland, Wales und Irland der unsrigen verblüffend ähnlich. Auch sonst gibt es noch vieles was an diese Vorfahren noch heute erinnert.

Man muß nur genau hinschauen und dann vergleichen. Da auch nicht alle Kelten abwanderten, kam es zur Vermischung der verschiedenen Volksgruppen im Gebiet der heutigen Rhön. Da die Rhön schließlich ein Mittelgebirge ist und man sich früher kaum begegnete, sowie auch durch die Abgeschiedenheit der einzelnen Siedlungsorte, kam es zur Herausbildung von verschiedenen Dialekten und Sprachformen. Man begegnet dies in den ländlichen Bereichen besonders stark. So hat jede Gemeinde oder auch Stadt einen eigenen spezifischen Wortschatz. Auffällig ist aber, dass sich trotz bestimmter Unterschiede alle untereinander in ihrem jeweiligen Sprachschatz trotzdem verstehen. Es fällt noch heute auf, dass noch viele Leute Silben und Wörter und ganze Sätze mit gewölbter Zunge sprechen, wenn das hohle „L“ als Kehllaut über ihre Lippen kommt. Dies ist eines der Merkmale auf die man deuten kann, dass unsere Vorfahren einst von der Nordsee kommend hier siedelten und sesshaft wurden.

Um dies zu unterstreichen gehen wir auf grammatische Eigentümlichkeiten der Niederländer ein:

Bei den Vokalen fällt zuerst auf, dass in echtfränkischer Weise das „I“ durch „E „ ersetzt wird.

Dazu einige Beispiele:

  • brengen – bringen
  • Kreb – Krippe
  • Hemmel – Himmel
  • Gewesse – Gewissen

Als Beispiel aus unserem heutigen Sprachsatz: „Do host kei Gewesse“ natürlich gibt es auch hier wieder verschiedene Formen der Ausdrucksweise, je nach Besiedlungsstandort. Im Mittelniederländischen ist diese Ähnlichkeit zu unserem Dialekt noch mehr verbreitet. Auch hier einige Beispiele:

  • Selber – Silber
  • gewes – gewiß
  • blent – blind

Auch hier ein Beispiel dazu: „des Selber is blent“, „das Silber ist blind“ Die sind Gemeinsamkeiten, die eindeutig auf die obgn. Wurzeln zurückzuführen sind.

Bei den Ripuarischen sieht es etwas anders aus: „O“ steht statt „U“ vor „M“ oder „N“.

Neben Konst, gonst steht Neuniederländisch Kunst, gunst, kund, dagegen in beiden mond – Mund, hond – Hund, jong -jung, ons – uns.

Fränkischen Ursprungs sind besonders bei der Namensgebung von Dörfern und Städten auf folgende Endungen zurückzuführen, wobei es auch hier Unstimmigkeiten geben wird, „hausen, dorf, feld, berg, bach, heim“.

Hierzu gibt es genügend Beispiele aus der eigenen Umgebung. So z. B Dermbach, Stadtlengsfeld, Kaltennordheim, Steinberg, Dorndorf, Gehaus, um nur einige zu nennen. Spinnt man den Reigen weiter so kommt man auch zu verglei­chen mit dem englischen. Auch hierzu einige bekannte Beispiele:

  • Schoolbus – Schulbus
  • Hound – Hund
  • ic oder is – Eis
  • Island – Eisland

Diese wenigen Zeilen sollen nur mal als Anregung für Sprachinteressierte sein. Ein Thema, was sich als Hobby auch mal lohnen würde.

Quellen:

  • Über Deutschland und die deutsche Arbeiterbewegung bis zum 18. Jahrh. Band 1
  • Ausführungen aus Magazin Heft 10 von 1980
  • Archive Marburg und Meiningen
  • Timelife Amsterdam
  • Archiv HPV e. V.Gehaus

Reinhold Lotz im Auftrag des HPV


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