Das Schloß in Dermbach

Die erste Ansiedelung im Orte Dermbach soll schon im 6. oder 7. Jahrh. stattgefunden haben und zwar am Kirchberg, wo ursprünglich nur 4 Häuser standen; der obere Theil, der „Busch“, ist erst später angebaut worden. Der Name Dermbach wird abgeleitet von terni (3), weil der Ort vor dem Zusammenfluß der drei Bäche: des schwarzen, des weißen und des Dorfborns angelegt worden sei. So schreibt Superintendent Kuno Walther in der von ihm durch Zusammentragungen 1876 begonnenen Pfarrchronik Dermbachs. Im Staatshandbuch für’s Großherzogtum Weimar (1846er Ausgabe) ist Dermbach als Marktflecken mit Kirchen und Schulen, mit Justizamt, Kriminal-Gericht und Rentamt u. a. m. aufgeführt, ein „Schloß“ daselbst aber nicht erwähnt. Kronfeld (1879) bemerkt: „Das der katholischen Kirche gegenüber liegende Schloß mit 3 Flügel (?), früher zeitweilige Residenz des Fürstbischofs von Fulda“. In Schneider’s Rhönführer steht: „Dermbach hat ein vormals fürstlich fuldaisches Schloß, im Anfang des 18. Jahrhdt. von Fürstabt Adalbert von Schleifras erbaut, welcher das frühere Amt Fischberg hierher verlegte; jetzt Sitz der Behörden«. Eine Notiz in der Dermbacher Pfarr-Chronik giebt an, daß vor 1727 das Schloß daselbst und eine katholische Kapelle darin eingerichtet gewesen sei; – eine vollständigere Nachricht darüber wird vermißt.

Aus dem Gesagten läßt sich schließen, daß das Schloßgebäude in Dermbach, welches auf einem Hügel im nördlichen Teile des Ortes eine recht hübsche und feste Lage hat, auch in gutem Stand erhalten ist und im Gegensatz. zum „Alten-Schloß“ (des vorigen Abschnitts) ganz passend das Dermbacher „Neue-Schloß“ heißen dürfte -, keine alte Geschichte haben kann. Doch bleibt zu verwundern, daß über mittelalterliche staatlich-politische Verhältnisse betreffs des so alten Markt- und Centortes Dermbach so gar wenig, über ein vormaliges Schloß oder einen Rittersitz in Dermbach selbst eigentlich nichts, in Chronik oder Sage bis jetzt aufzufinden ist! Zu den in Heft I. S. 68 unserer „Umschau“ gemachten Angaben wollen wir aber gern nach Walthers Notizen Nachfolgendes anfügen: „Ludwig von Frankenstein verkaufte 1317 alle zum Amt Fischberg gehörigen Güter, Gefälle und dergl. um 450 Pfund Heller (1 Pfund = 240 Heller oder 2½ Gld.) an Abt Heinrich von Fulda. 1326 am Sankt Georgi-Tage kam der Ort Dermbach mit allen zugehörigen Gütern in den Besitz des Stifts Fulda. 1346 kaufte der Abt von Fulda von den Herren von Wilar Zinsen und Gefälle aus der Frankensteiner bzg. Nithardishuser Herrschaft. 1398 mußte Abt Johann I. von Merlau das Amt Fischberg (also auch Dermbach mit) an den Kurfürst und Erzbischof von Mainz verpfänden. Doch kam es darüber zwischen Mainz und Fulda zu Streit und Fulda wurde belagert, durch den Landgrafen Ludwig von Hessen aber befreit, nachdem am 3. Aug. 1427 die Mainzer in die Flucht geschlagen waren. Im Friedensschluß vom 8. Sept. 1427 kam das verpfändete Amt Fischberg an den Landgrafen von Hessen, (der mit einer Braunschweigerin verheiratet war). Als er gestorben, heiratete seine Witwe einen Grafen von Henneberg, und so kam 1455 die eine Hälfte des Amts an Henneberg, die andere Hälfte an Fritz von der Tann. Endlich am Sonntage misericordias 1511 wurde das ganze Amt gegen Zahlung einer Summe von 4000 Gulden pfandweise von Fulda an Henneberg überlassen. – Vergleiche Heft II. S. 32-39!

Aus der Geschichte des 30jährigen Kriegs ist in vorbesagter Dermbacher Chronik angeführt: „1625 d. 4. Sept. zogen 20 Fähnlein kaiserlicher Reiter durch unser Thal nach Hessen; in Diedorf wurden 10 Fähnlein einquartiert, die großen Schaden thaten. 1629 gingen viele Leute von Haus und Hof. Nach dem Kriege waren fast sämmtliche Ortschaften des Amtsbezirks eingeäschert oder sonst ruiniert.“ – Der sogenannte „Dermbacher Krieg“ oder der Weimar-Fuldaische Kampf um den Amtsbezirk etc. ist in der Chronik sehr eingehend geschildert; doch haben wir bereits in Heft ll. S. 34 und 35. die Hauptmomente vorgeführt. Ebenso unterlassen wir es, Walthers zerstreute Nachrichten über Amt Fischberg und Ort Dermbach z. Z. der Napoleon’schen Kriege hier wiederzugeben. „Daß Kaiser Franz von Oesterreich am 30. Okt. 1813 bei seiner Reise nach dem Rhein auch durch Dermbach gekommen ist, und daß 1814 die Aemter Geisa und Dermbach an Kurhessen fielen,“ hat die erwähnte Chronik besonders noch bemerkt. (Im Uebrigen müssen wir hier darauf verzichten, Data’s neuerer Zeit aus jenem Schriftwerk beizuziehen).


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C. E. Bach
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