Das Kloster Mariengart

Kloster und Ort Mariengart haben zeitweise eine gemeinsame Geschichte mit Gehaus, verbunden durch die Herrschaft derer von Boyneburg. Daher soll über diese Geschichte hier berichtet werden. Es gibt eine sehr ausführliche Geschichte, niedergeschrieben von Pfarrer Büff aus Völkerhausen, die im Baierboten  durch den Heimatpflegeverein Gehaus e.V. veröffentlicht wurde. Sie ist aber einfach zu lang, um hier veröffentlicht zu werden, daher die Kurzfassung aus der gleichen Quelle im Schaukasten an der Kirchenruine. 

Die Geschichte des Ortes Mariengart fängt nicht erst mit der Klostergründung an. Die Schenkungsurkunde vom 31. August 786 durch Karl den Großen an das Kloster Hersfeld zeigt uns, dass diese Gegend dem Einfluss des Klosters Hersfeld unterlag. Das Land war erbliches Lehen der Hersfelder Abtei. So kam es, dass Ritter von Heringen mit Ländereien in Mariengart, dem ehemaligen Schalkisloh belehnt wurde. Schalkisloh war in vorchristlicher Zeit eine germanische Kultstätte und bedeutete „Heiliger Hain“.
Als sich im 14. Jh. der Orden der Servitenmönche in Deutschland verbreitet, deutet vieles darauf hin, dass Mariengart von Brüdern des Erfurter Servitenklosters gegründet wurde. Die Gründung fällt in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. Darum bedurfte die Schenkung der Zustimmung des Abtes von Hersfeld. Sie wurde am Samstag vor Quasimodogeniti (Weißer Sonntag) 1339 von Abt Ludwig erteilt.
Schalkisloh lag innerhalb der fürstlichen Abtei Fulda, so musste die Genehmigung zur Neugründung auch vom Fürstabt eingeholt werden. Das Kloster erhielt den Namen „Hortus beate Mariae virginis“, Garten der seligen Jungfrau Maria, kurz Mariengart. Ritter Heinrich von Heringen stiftete zu seinem Heile und dem seiner Eltern dem Kloster sein Gut in Mariengart. Für dieses Zugeständnis sollten jährlich 6 Pfund Wachs nach Hersfeld geliefert werden. Ferner wurde zur Auflage gemacht, dass die Güter wieder an die früheren Besitzer zurückfallen sollten, falls das Kloster zerstört oder von den Mönchen aus einem anderen Grunde verlassen würde.
Wir wissen von einem Ablassbrief, der am 20. Oktober 1339 in Avignon von 10 Bischöfen zugunsten Mariengarts und einiger anderer Servitenklöster ausgestellt wurde.
Die Brüder von dem Orden der Serviten, die in den Urkunden gewöhnlich Marienknechte genannt werden, zogen in diese neue Stiftung ein. Doch vermochten sie die Vermögensverhältnisse des Klosters nicht zum Besten zu entwickeln. Hinzu kam, dass sich das Kloster nicht genügend vor räuberischen Überfällen schützen konnte. Diese Lage ist in einer Beschwerde an Abt Heinrich von Fulda enthalten und gipfelt in der Bitte, sich aus Sicherheitsgründen vor dem oberen Tor in Vacha ansiedeln zu dürfen. Dies wurde ihnen auch im Jahre 1368 gestattet.
So bleibt festzuhalten, dass nach 29 Jahren seit Gründung des Klosters die Mönche dieses wieder verlassen, um sich in Vacha niederzulassen, ohne allerdings den bisherigen Standort ganz aufzugeben. So findet sich noch aus dem Jahre 1390 eine Urkunde von Prior und Konvent zu Mariengarten. Das Kloster Mariengart war nunmehr als Filiale zu Vacha anzusehen.
Der Bauernkrieg 1525, welcher auch in dieser Gegend heftig wütetet, brachte dem Kloster das Ende. Abt Krato von der Abtei Hersfeld belehnte 3 Jahre nach dem Krieg den hessischen Landhofmeister von Boyneburg zu Lengsfeld mit dem Klostergut. Bis zum Jahre 1541 wurde es von dem letzten Prior Michael Bigherz verwaltet. Dieser erhielt danach eine Abfindung in der Höhe von 55 Gulden.
Die Gebäude waren inzwischen ziemlich verfallen, so dass die neuen Besitzer Georg von Boyneburg und die Kinder seines Bruders zunächst daran gingen, diese wieder instand zu setzen.
Kirchlich kam Mariengart zur Pfarrei Gehaus, wofür diese jährlich 2 Malter Korn und 1½ Malter Hafer erhielt. Der 30-jährige Krieg (1618 bis 1648) brachte viel Not und Elend auch in diese Gegend. An seinem Ende hatten die Besitzer ihren Hof Mariengarten an die Brüder Kramm zu Wohlingshausen im Braunschweigischen verpfändet. Da sie außerstande waren, diesen Hof zur festgesetzten Zeit wieder an sich zu bringen, gestanden sie den Pfandinhabern zu, ihn durch den königlich-schwedischen Oberstwachtmeister Johann Friedrich von Buttlar einlösen zu lassen.
Die Urkunde darüber stammt vom 30. Oktober 1650. Dieser Johann Friedrich von Buttlar stellte die durch den Krieg zerstörten Gebäude wieder her und ließ als Wohnung ein Hofhaus errichten. Er umgab die ganze Anlage mit einer Mauer, die vor gut 100 Jahren noch teilweise vollständig, zum Teil noch bruchstückhaft vorhanden gewesen ist. Dieses Hofhaus wurde erst ab 1840 wegen Baufälligkeit abgebrochen und hatte zuletzt als Schäfer- und Forstläuferwohnung gedient.
Der Besitz des Gutes Mariengart konnte durch 2 Höfe im Säuflingsgrund (in der Nähe des Gänsegraben), die im Jahre 1645 abgebrannt und von ihren Besitzern verlassen worden waren, erweitert werden. Dies gab Anlass zu Besitzstreitigkeiten zwischen Johann Friedrich von Buttlar und Georg Christian von Boyneburg. Von seinen zahlreichen Kindern, 7 Söhne und 4 Töchter, erbte Johann Christoph von Buttlar Mariengart.
Die von 1673 bis 1676 wieder erbaute Kirche diente als Grabstätte für Kunigunde von Boyneburg und dessen Ehegatten Johann Friedrich von Buttlar, sie wurde 1680 von dem Mainzer Weihbischof geweiht und dem Gottesdienst wieder geöffnet.
Ein Enkel der beiden, Konstantin von Buttlar, umgab das Geschlecht mit neuem Glanz. Er wurde Fürstabt in Fulda.
Wegen der Ausübung des katholischen Bekenntnisses kam es mit Hessen oftmals zu Streitigkeiten. Für die Menschen katholischen Glaubens wurde Mariengart ein gern besuchter Wallfahrtsort. Die Kirche brannte 1704 ab, da bei Reparaturarbeiten eine Tabakpfeife in den Flachs auf den Kirchboden fiel. Der Neubau wurde von einer Genehmigung der landgräflichen Regierung abhängig gemacht. Der Oberst Johann Christoph von Buttlar aber gedachte, ihr zuvor zu kommen. Da ließ der Vachaer Rentmeister das reichlich angefahrene Bauholz in einer Nacht nach Oechsen wegführen. Oberst von Buttlar starb am 1. Juli 1705 im Feldlager. Seine 5 Söhne hatten unter diesen Umständen kein Interesse mehr, Mariengart zu halten. So kam es, dass am 18. Oktober 1712 der Besitzwechsel zu Mariengart an Hessen unterzeichnet wurde. Zwei Tage später huldigten die 10 Mariengarter Haushaltsvorstände in Völkershausen ihrem neuen Herrn. Viele Auseinandersetzungen gab es wegen der drei christlichen Konfessionen in der kleinen Gemeinde zu regeln  (römisch-katholisch, evangelisch-lutherisch und evangelisch- reformiert).
So ist die ehemalige Kirche Ruine geblieben, die zeitweilig eine gute besuchte Wallfahrtsstätte gewesen war.
Über lange Zeit waren die Mauern dem Verfall preisgegeben, bis man sich ihrer wieder annahm und einige dringende Erhaltungsarbeiten vornahm. Seit dem Festgottesdienst am 31. August 1986 konnten schon viele Gottesdienste an dieser historischen Stätte gefeiert werden.

Quellen:

  • Text an der Schautafel vor der Kirchenruine
  • Pfarrer Büff zu Völkershausen: Das Kloster Mariengarten und seine späteren Schicksale
  • ADELBERT SCHRÖTER: LAND AN DER STRASSE. Die Geschichte der katholischen Pfarreien in der thüringischen Rhön. (St. Benno Verlag GmbH Leipzig)


Bücher und DVD über Geschichte, Landschaft und Kultur der Rhön und Thüringens
– nach Themen sortiert –


 

3 Kommentare

  • götz v. boyneburg

    Die Aufnahmen sind eindrucksvoll u. künstlerisch.
    Danke für diese Initiative, die so ein bleibendes, historisches
    Dokument für anliegende Gemeindebürger, aber auch Touristen bietet

    • Ich danke dem Lobenden! Ich habe mir eine kleine, in die Hosentasche passende Lumix TZ8 zugelegt, die ich nun stets zücken kann, wann immer etwas meinen Blick einfängt. Und so findet ein blindes Huhn eben hin und wieder auch ein goldenes Korn 😉
      Und an Gehaus, seiner Umgebung und Geschichte hänge ich eben mit zähen Wurzeln fest – seiner Geschichte entkommt man nicht, ohne sich selbst aufzugeben.

  • Ich muss gestehen, dass ich die Bilder mit der Photoshop-Funktion „Tiefen/Lichter“ bearbeitet habe, um die Ausleuchtung zu verbessern. Aber ansonsten entsprechen sie dem, was diese Lumix hergibt. Ich habe noch nie so gern fotografiert wie mit der Lumix, da sie bei Spaziergängen, Ausflügen etc. kaum belastet und kaum Platz beansprucht. Früher hatte ich im Urlaub viel mit einer Spiegelreflexkamera und Wechselobjektiven auf Diapositivfilm, wegen der besseren Farbwiedergabe, fotografiert. Aber es war immer ein Kampf zwischen der Wichtigkeit des Urlaubs für Erholung oder Erinnerung auszutragen, denn die Kamera mit Zubehör war vom Gewicht und Platzbedarf her eine ziemliche Belastung. Aber auch das Wechseln der Objektive ließ mich manches gute Menschen- oder Tier-Motiv verpassen. Für mich als fotografierender Nichtprofi ist die Lumix, auch wegen der Bildstabilisierung im Telemodus, wirklich ideal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

12 + neunzehn =