Bilder von der Vereinsfahrt am 9. Oktober 2010

Endlich ist es wieder soweit! stand auf der Einladung zu einer interessanten und vergnüglichen Herbstreise des Heimatpflegevereins Gehaus e.V. in die Rhön, die Sven Schwarz hervorragend vorbereitet hatte.  Zunächst besuchten wir das Museumsdorf Fladungen in der fränkischen Rhön. Fladungen, den Gehausern mindestens seit der Wende ein Begriff, weil es im Bayrischen liegt und die Bayern uns vierzig harte Mark extra zu den einhundert DM  als Begrüßungsgeld schenkten. Weiterlesen

Pragmatismus, Religion und Metaphysik


Es hat sich herausgestellt, daß sowohl die christliche Religion als auch die materialistische Metaphysik Artefakte sind, die sich selbst verzehren. Das Bedürfnis nach orthodoxer Religiosität wurde durch Paulus‘ Beharren auf dem Primat der Liebe untergraben. Nach und nach erkannten die Christen, daß eine Religion der Liebe nicht verlangen kann, jeder müsse das gleiche Glaubensbekenntnis aufsagen. Das Bedürfnis nach Metaphysik wurde durch die Fähigkeit der modernen Wissenschaft untergraben, den menschlichen Geist als ein außergewöhnlich komplexes Nervensystem zu begreifen und somit sich selbst eher pragmatisch als metaphysisch zu sehen. Die Wissenschaft hat uns gezeigt, wie man die empirische Forschung als Gebrauch dieser physiologischen Zusatzausstattung zur Erlangung stets größerer Herrschaft über die Umwelt sehen kann, anstatt sie als eine Form der Verdrängung von Erscheinungen durch Wirklichkeit zu deuten. Genauso wie es dem achtzehnten Jahrhundert gelang, das Christentum nicht als Offenbarung von oben, sondern als kontinuierliche Fortsetzung der sokratischen Reflexion zu sehen, so ist es dem zwanzigsten Jahrhundert gelungen, die Naturwissenschaft nicht als Offenbarung des inneren Wesens der Wirklichkeit, sondern als kontinuierliche Fortsetzung jener Form des praktischen Lösens von Problemen zu begreifen, in der die Ingenieure brillieren.

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Kiskörös V

Dies ist am Montag, dem 6. September unser Los gewesen:  😉

Uns wurde die Henkersmahlzeit in Kiskörös serviert,… – aber nein, das stimmt doch gar nicht! Wir bedienten uns selbst am kalten Büffet, aßen was das Zeug hielt – es hielt übrigens nicht mehr viel nach den Tagen der Völlerei. Das Essbedürfnis ähnelt dann dem Alkoholbedarf des Gewohnheitssäufers, man braucht nur noch wenig, um den Pegel zu halten. Der Bürgermeister von Kiskörös Domonyi, Lásló und freilich auch unser Maître de plaisir für die Kisköröser Festtage Titl, Péter kamen in das Hotel, um sich persönlich von uns zu verabschieden. Unser Bürgermeister wurde zusätzlich von einer der einflussreichsten und möglicherweise auch hübschesten (ein Vergleich war uns glücklicherweise – bedenkt man die  auslösende Frage des trojanischen Krieges: wer ist die Schönste? – nicht vergönnt)  jungen Dame aus dem dortigen Stadthaus – zuweilen möchte man selbst Bürgermeister sein.

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Altruismus

Wir halten uns für »egoistisch« und werden von anderen so gesehen, wenn wir unsere eigenen Interessen zu verfolgen scheinen. Andererseits glauben wir daran, daß ein Handeln zum Wohl anderer, das anscheinend nicht selbstdienlich ist, von »guter Moral« zeugt; wir fühlen uns gedrängt, dem Weg des »Altruismus« zu folgen, und wir respektieren andere, die ihm folgen. Weil wir uns der Kosten, Risiken und Gefahren, die darin stecken — des Handicaps —, wohl bewußt sind, beeindruckt uns Uneigennutz. Trotzdem halten wir es für unanständig, zu berechnen, welchen Nutzen uns der Uneigennutz bringen kann.

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Kiskörös IV

Der Sonntag begann mit einem feuchtfröhlichen Frühstück im Feuerwehrhaus, zu dem uns Joszef  einlud. Leicht beschwingt wanderten wir danach zum Geburtshaus von Sándor Petöfi, direkt am Festplatz. Ein Spezialitäten-Mittagessen im Museumshaus des slowakischen Heimatvereins war nur durch den ausreichenden Genuss von Brandys aller Art zu verdauen, so kalorienreich war es. Das kann man nicht jeden Tag essen, ohne die schnittige Form zu verlieren. 😉

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Demut als Utopie

Das wiederholte Scheitern von Systemen, die von weit in die Zukunft weisenden Visionen getragen wurden, hat unseren Glauben an die Realisierbarkeit von Utopien nachhaltig erschüttert. Zweifel an der Machbarkeit von Zukunft greifen um sich. Die Erkenntnis, daß große Entwürfe und Fünf-Jahres-Pläne die Tendenz haben, an der sich ändernden Wirklichkeit zu scheitern, ist nicht neu – neu hingegen ist, daß es rationale Erklärungen für die Notwendigkeit des Scheiterns gibt.Die relevanten Variablen sind zum einen die Struktur und Dynamik lebensweltlicher Prozesse und zum anderen die kognitiven Fähigkeiten der Entscheidenden und Handelnden, die versuchen, diese Prozesse zu steuern.

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Schwedenreise (3)

Dass ich heute noch einen Beitrag über die Schwedenreise des Heimatpflegevereins Gehaus e.V. nachschieben kann,  ist das Verdienst von Ulf Åman und Siegfried Hessler. „Der Ulf Åman“, schrieb mir Siegfried Hessler am 20. September, „hat übrigens aus Deinen Bildern ein hübsches Bildspiel mit Musik gemacht.“ Nun ist heute von Siegfried die CD mit diesem Bildspiel in meinen Briefkasten geflattert und sie gefiel mir sehr gut  Weiterlesen

Geschichtsschreibung

Weil aber die Vergangenheit nicht im Bereich des menschlichen Erlebens liegt, und weil wir deshalb mit unseren historiographischen Konstruktionen immer nur in der jeweiligen Gegenwart umgehen und Erfahrungen machen können, gibt es keine Möglichkeit, z.B. die Deskriptivität historiographischer Aussagen festzustellen oder zu überprüfen. Und weil sich historische Ereignisse und Prozesse weder wiederholen, noch sich reproduzieren lassen, haben wir auch keine Gelegenheit, entsprechende konzeptuelle Systeme (z.B. Theorien) in einem erfahrungswissenschaftlichen Rahmen zu erfinden, zu testen und weiterzuentwickeln. Die erfahrungswissenschaftlichen Möglichkeiten der Historiographie beschränken sich darauf, anhand der als Spuren oder Zeugnisse der Vergangenheit identifizierten Objekte und unter Verwendung als einschlägig erachteter theoretischer Konzepte und Modelle Geschichten zu erfinden, um sie auf ihre Verträglichkeit mit den Quellen und auf ihre Kompatibilität mit anderen Geschichten hin zu prüfen. Innerhalb des so bestimmten Spielraumes kann sich die Gültigkeit der jeweiligen Geschichtsschreibung also nicht an so etwas wie der Übereinstimmung mit den historischen Tatsachen bemessen, sondern nur daran, ob die jeweiligen Geschichten im Rahmen konsensfähiger Modellvorstellungen, auf der Basis geltender Annahmen über die Geschichte und Geschichtsschreibung sowie hinsichtlich der geltenden weltanschaulichen, ideologischen, ethischen, politischen usw. Konzepte plausibel, überzeugend und relevant sind.

Gebhard Rusch: THEORIE DER GESCHICHIE, HISTORIOGRAPHIE UND DIACHRONOLOGIE
LUMIS Schriften 11 1986
aus dem Institut für Empirische Literatur- und Medienforschung der
Universität – Gesamthochschule Siegen Weiterlesen

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