Das Problem der menschlichen Natur

Dieser Tage ist mir in einem Oppelner Antiquariat ein interessantes Buch untergekommen – dessen Kauf kostete mich 1 (in Worten Einen) Euro – in dem ich meine Ahnung bestätigt fand, daß der individuelle Mensch, seine „Seele„,  ein Produkt der menschlichen Kultur ist, in die er hinein wächst. Wird ihm jede menschliche Gesellschaft verwehrt (wie z.b. bei den Experimenten des Stauferkaisers Friedrich II.), verkümmert er, ist hilfloser als jedes Tierbaby gegenüber den Einwirkungen seiner Umwelt.
Alles was den Menschen vom Tier unterscheidet, erlernt er erst durch die Gemeinschaft anderer Menschen. Das zeigen auch die Erfahrungen mit sogenannten „Wilden Kindern. Über diese und die Folgerungen, was am Menschen Natur und/oder Kultur ist, berichtet  das Buch „Die wilden Kinder“ von Lucien Malson, Jean Itard und Octave Mannoni, (suhrkamp taschenbuch 55), aus dem ich das Einführungskapitel als Appetithäppchen für an solchen Gedankengängen Interessierte zitieren werde:

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Sonnenuntergang am Vansee

oder
L. v. Beethoven – Für Elis (Klavierstück WoO 59) –  poco moto, a-moll, 3/8

 Eingespielt habe ich diesen beliebten Schmachtfetzen mit »Samplitude Music Studio 2014« auf dem Softwaresynthesizer »The Grand« von Steinberg mit Hülfe meines PC – und zwar in einer etwas flotteren Spiel-Art als es die romantische Seele bei diesem sakral-kitschigen Sonnenabgang erwarten würde. Ich jedoch wasche meine Hände in Unschuld, denn dieses Tempo ist von Herrn Beethoven vorgegeben worden!

Um meine hehren Intentionen in den Großen Zusammenhang von Leben, Universum und den ganzen Rest zu stellen, zitiere ich Jürgen Wertheimers weisen Satz aus „Krieg der Wörter – Die Kulturkonfliktslüge” [Verlag LiteraturWissenschaft.de – Marburg 2006]:

Zwischen Großikone und Nippes-Sakralität gilt es, einen Weg zu finden, der halbwegs tragfähig und ohne gravierende Folgen bleibt. Vor die Alternative Kitsch oder Krieg gestellt, sollte der ästhetischen Katastrophe der Vorzug gegeben werden. Weiterlesen

Was ist Kitsch?

Milan Kundera über Kitsch

In seinen Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ hat Milan Kundera einen Essay eingefügt, überschrieben „Der lange Marsch“, in dem er seine an Hermann Broch angelehnte Auffassung, was für ihn Kitsch sei, erläutert und in Abschnitt 13 des Essays provozierend definiert:

Die Quelle des Kitsches ist das kategorische Einverständnis mit dem Sein.

Es geht ihm also nicht in erster Linie um das, was man in den „Schönen Künsten“ als „Kitsch und Krempel“ bezeichnet, sondern um den Kitsch von menschlichen Mythen, die als kollektive Intentionalität (Searle) die Grundlage jeder Gesellschaftsordnung bilden.

Seit der Französischen Revolution nennt sich die eine Hälfte Europas Linke, während die andere sich die Bezeichnung Rechte erworben hat. Es ist nahezu unmöglich, den einen oder den anderen Begriff aufgrund irgendwelcher theoretischer Prinzipien, auf die er sich stützte, zu definieren. Das ist nicht weiter verwunderlich: politische Bewegungen beruhen nicht auf rationalen Haltungen, sondern auf Vorstellungen, Bildern, Wörtern und Archetypen, die als Ganzes diesen oder jenen politischen Kitsch bilden.

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Threnos über Hiroshima und 9/11

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Am Morgen des 6. August 1945, um 8:15 Uhr, wurde eine Atombombe mit dem Namen „Little Boy“ von der Enola Gay, einem Boeing B-29 Bomber, auf Hiroshima abgeworfen.
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Kengo Futagawa (zu der Zeit 59 Jahre alt) war auf dem Weg zur Feuerwache und überquerte gerade mit seinem Fahrrad die Kannon-Brücke (1600 Meter vom Hypozentrum der Explosion entfernt).
Er sprang, schrecklich verbrannt, in den Fluss und kehrte, noch lebend, nach Hause zurück, starb aber am 22. August 1945. Die Uhr von Kenga Futagawa zeigt die Zeit der Explosion von „Little Boy„. Weiterlesen

Electra – Der Aufrechte Gang

Electra ist eine Rockband aus Dresden und das ist ein Titel von 1989, aus einer Zeit, zu der sich der zurückgebliebene DDR-Bürger zu fragen begann, warum er hier geblieben ist, wo andere die schon längst gegangen waren, dort bereits im gemachten Nest bürgerlicher Behäbigkeit saßen und erreicht hatten, was er nun nie mehr wird schaffen können. Doch ich bin geblieben in meinem Land weil meine Zukunft mit den Menschen, mit denen ich alt werden wollte, keine Flucht verträgt. Es folgen ein Musikvideo „electra: Der Aufrechte Gang“ und der Songtext von 1989:

Das Video

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