Das Geheimnis des perfekten Tages

Die zentrale Frage des Morgens ist: Wie viel mehr Sinn steckt im Aufstehen als im Liegenbleiben? Und hat nicht jeder Zustand seine Berechtigung? Seine Selbstverständlichkeit? Ein Hahn denkt nicht nach über das Aufstehen. Ihm ist es auch egal, dass er an den Füßen keine Federn hat. Ich habe ebenfalls keine Federn an den Füßen, stehe dennoch nur ungern auf.
Ich liege. Ich lebe. Ich fühle mich wohl. Ich weiß, dass diese Feststellung auf irgendeine Art und Weise den Eindruck erzeugt, mir fehle die Tiefe. Aber warum sollte man sich nicht wohlfühlen? Man kann das Leben auch als Glücksfall begreifen! Ich sehe die Welt als Lebensort und nicht als Sterbehospiz. Sie ist bunt. In Indien stehen Sadhus für 20 Jahre auf einem Bein, um den Göttern ihre unabdingbare Unterwerfung zu beweisen. Ich glaube: Wenn Gott gewollt hätte, dass wir auf einem Bein stehen, hätte er uns das zweite nur für Notfälle im Rucksack mitgegeben.

Weiterlesen

André Gide über Aufrichtigkeit

„Das Wort ,Aufrichtigkeit’,- schreibt André Gide in den Nouveaux Prétextes – „ist eins von denen, die zu verstehen mir am schwersten wird. Ich habe so viele junge Leute gekannt, die auf ihre Aufrichtigkeit pochten! . . . Manche waren anspruchsvoll und unerträglich, andere brutal; selbst der Ton ihrer Stimme klang falsch . . . Im allgemeinen hält sich jeder junge Mann für aufrichtig, der Überzeugungen hat und unfähig zur Kritik ist. Und wie oft wird Aufrichtigkeit mit sans-gêne[1verwechselt! . . . Nur die sehr banalen Seelen gelangen leicht zum aufrichtigen Ausdruck ihrer Persönlichkeit . . .“ Weiterlesen

Das Tal der Rosa

Lieblich wie der Name entfaltet sich die „Rosa“ zwischen den anmutigen, besonders den Ost-Horizont erhellenden Bergabhängen des „Bleß“ mit der südlichen „Stoffels- und ihm östlichen „Kilianskuppe“, der Ruine Frankenberg (450 m) und dem 482 m hohen „Abtswalde“; dem gegenüber liegt südöstlich die schon erwähnte Kupferwand, den Talausgang schützend, vor. – Wenden wir uns zunächst der Haupt- und den Nebenquellen zu: Nahe vor’m Ursprung der „Rosa“ hebt sich der „Nebel“ (537 m), ½ Std. südl. aufwärts der Roßberg und östl. diesem der „Gotteskopf“, 512m. Weiterlesen

Das Problem der menschlichen Natur

Dieser Tage ist mir in einem Oppelner Antiquariat ein interessantes Buch untergekommen – dessen Kauf kostete mich 1 (in Worten Einen) Euro – in dem ich meine Ahnung bestätigt fand, daß der individuelle Mensch, seine „Seele„,  ein Produkt der menschlichen Kultur ist, in die er hinein wächst. Wird ihm jede menschliche Gesellschaft verwehrt (wie z.b. bei den Experimenten des Stauferkaisers Friedrich II.), verkümmert er, ist hilfloser als jedes Tierbaby gegenüber den Einwirkungen seiner Umwelt.
Alles was den Menschen vom Tier unterscheidet, erlernt er erst durch die Gemeinschaft anderer Menschen. Das zeigen auch die Erfahrungen mit sogenannten „Wilden Kindern. Über diese und die Folgerungen, was am Menschen Natur und/oder Kultur ist, berichtet  das Buch „Die wilden Kinder“ von Lucien Malson, Jean Itard und Octave Mannoni, (suhrkamp taschenbuch 55), aus dem ich das Einführungskapitel als Appetithäppchen für an solchen Gedankengängen Interessierte zitieren werde:

Weiterlesen

Von der Möglichkeit des Krieges

Man weiß aus der Verhaltensforschung über unsere nächsten Verwandten, den Primaten, dass Schimpansenhorden regelrecht Krieg gegeneinander führen. Die berühmte Schimpansenforscherin Jane Goodall hat sich besonders genau mit diesen Menschenaffen beschäftigt. Sie weiß, dass Schimpansen bei aller Intelligenz auch sehr zerstörerisch sein können. In Afrika beobachtete sie jahrelang einen echten Krieg zwischen zwei Schimpansenhorden. Er wurde sehr brutal geführt und endete damit, dass eine Gruppe ausgerottet wurde. „Hätten sie Feuerwaffen gehabt, ich vermute, sie hätten sie eingesetzt”, meint Jane Goodall. Wer zweifelt da noch an der nahen Verwandtschaft mit uns Menschen? Nur vollkommen ist sie nicht, denn nur wir Menschen verfügen – dank^^ unseres kollektiven Bewusstseins (kollektive Intentionalität nennt Searle den gleichen Sachverhalt hier), welches sich in unserer Sprache repräsentiert -, über die zweifelhafte Fähigkeit, die Notwendigkeit jedes beliebigen Krieges auch abstrakt begründen zu können. Eine so absurd handelnde Spezies kann unsere soooo vernünftige, menschliche Gesellschaft einfach nicht sein, denkst du? Leider doch, auch dazu ist unser Gesunder Menschenverstand fähig!

Peter Nàdas versucht zu erklären, warum Soldaten, die sich als Privatpersonen wahrscheinlich nie hassen und töten würden, einander dennoch guten Gewissens töten können:

Weiterlesen

Threnos über Hiroshima und 9/11

4clock
.
.
Am Morgen des 6. August 1945, um 8:15 Uhr, wurde eine Atombombe mit dem Namen „Little Boy“ von der Enola Gay, einem Boeing B-29 Bomber, auf Hiroshima abgeworfen.
.
.
 
Kengo Futagawa (zu der Zeit 59 Jahre alt) war auf dem Weg zur Feuerwache und überquerte gerade mit seinem Fahrrad die Kannon-Brücke (1600 Meter vom Hypozentrum der Explosion entfernt).
Er sprang, schrecklich verbrannt, in den Fluss und kehrte, noch lebend, nach Hause zurück, starb aber am 22. August 1945. Die Uhr von Kenga Futagawa zeigt die Zeit der Explosion von „Little Boy„. Weiterlesen
1 2 3 4 5 6 7