Buxtehude: Toccata F-dur BuxWV 156

Zur leichteren Verständlichkeit habe ich die Struktur dieser Toccata, die eher einer ausgeschriebenen Improvisation gleicht, im Video an entsprechender Stelle mit beschreibenden Untertiteln gekennzeichnet.

Johann Sebastian Bach kam mit 15 Jahren, im April 1700, nach Lüneburg in das dortige Benediktinerkloster St. Michaelis und besuchte die Partikularschule in Lüneburg. Er blieb dort bis 1703. Einen tüchtigen Lehrmeister hatte er in dem „Kirchenmusikus“ Georg Böhm. Bach wanderte in dieser Zeit studienhalber nach Hamburg später nach Celle, wo er sich überall nur kurze Zeit aufhielt. Von Celle aus begab er sich nach Lübeck. Dort war der weltberühmte Organist Dieterich Buxtehude (unter diesem Link und auch hier ist seine Biografie zu lesen), der auf den jungen Bach einen mächtigen Einfluß ausübte. Ende 1703 kehrte Bach zwar nach Thüringen zurück und erhielt am 9. 8. 1703 sein Ernennungsschreiben als Organist in Arnstadt. 1705 dann hatte er seinen Urlaub (ein Monat war ihm von den Ratsherren Arnstadts zugestanden worden), um den berühmten Organisten Dieterich Buxtehude in Lübeck (1705) zu studieren, d. h. von ihm zu lernen, ums Vierfache überstiegen, so sehr imponierte ihn die Kunst des Dietrich Buxtehude.

Erwägt man die Entfernung von Arnstadt nach Lübeck, ferner die Mitteilung im Nekrolog, Bach sei zu Fuß nach Lübeck gewandert (?), und schließlich vor allem, daß der achtundsechzigjährige Buxtehude eine erstrangige Autorität auf kirchenmusikalischem Gebiet war, so ist ein Monat Urlaub für diese Reise von vornherein ganz unreal. Bach kehrte also in den Norden zurück, erneuerte damit sicher manche Erinnerung an die Lüneburger Jahre und war ein Vierteljahr unterwegs. Sowohl Buxtehudes Orgelkunst als auch die überaus entwickelte Musikpflege an der Marienkirche, dem Veranstaltungsort der berühmten „Abendmusiken“, werden den Arnstädter Organisten tief bewegt haben. Buxtehude muß Bach mit Wertschätzung begegnet sein. Hätte dieser, wie das verbreiteter Usus war, des greisen Organisten in die – unattraktiven – Jahre gekommene, ältliche Tochter geheiratet, wäre er wohl dessen Nachfolger geworden. Aber damit seinen wilden Arnstädter Jugendjahren ein frühes Ende zu bereiten, war Bach sich dann doch zu schade.

Ach so ja, was eigentlich ein Zimbelstern ist, habe ich ganz vergessen zu erwähnen, er ist ein Effektregister mancher Orgeln und derlei hielt man in Zeiten der Renaissance und des Barock für den letzten modernen Schrei, um die Aufmerksamkeit des zuweilen auch drögen Publikums zu fesseln. Das Ganze ist von mir freilich bis auf zwei zarte Glockenklänge zu Beginn und zu Ende der kurzen Episode mit Orgelpfeifen umspielt worden, wie es die meisten Interpreten machen, denen kein Zimbelstern, der auch ein optischer Effekt ist, in ihrer Orgel zur Verfügung steht.

Die Toccata als MP3:

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