Dieterich Buxtehude: La capricciosa, BuxWV 250

Partite diverse sopra un’Aria d’Invenzione detta „La Capricciosa“ BuxWV 250

 interpretiert mit Samples eines historischen Cembalos von Jacob Kirckman aus dem Jahre 1766.

„La Capricciosa“ (BuxWV 250) nutzt als Melodie das Lied „Kraut und Rüben“ (Kraut und Rüben haben mich vertrieben; hätt mein Mutter Fleisch gekocht, so wär‘ ich länger ‚blieben. Kraut und Rüben, Kraut und Rüben), das im Quodlibet (Variation 30) von Bachs Goldberg-Variationen und als Bass-I-IV-V-I-Muster der „Bergamasca“ (zweimal in jeder Reprise) zu finden ist. Die Kraut-und-Rüben-Melodie ist eine Variante der traditionellen Bergamasca-Melodie, die zusammen mit einem ostinaten Bass Thema unzähliger Variationen war. Über Buxtehudes La Capricciosa, Frescobaldis Aria di Romanesca und Scheidts Canzon à 5 Voci ad imitationem Bergamasc reicht die Tradition bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Melodie ist seit 1570 belegt.

In G-Dur und auch mit 32 Abschnitten („partite“) wie die Goldbergvariationen, hat das ältere Werk von Buxtehude  „La Capricciosa“ mit den Goldberg-Variationen eine Vielzahl von Themen und Stilen gemeinsam: die quasi-imitative „canzona“ (2, 5, 15, 20 und die chromatische 12), die brillante „toccata“ (3, 6, 7, 11, 13, 16, 22, 26), den lauteähnlichen „Stil brisé“ (10, 17 und die sarabandeähnliche 25), die Gigue (9, 19) und einen dominanten Orgelpunkt (in 7 und lyraähnlich in 18). In mehreren Variationen werden die Harmonien des Themas auf I-IV-V-VI geändert, was in der Variation 25 zu einer auffälligen Erweiterung der Phrasenstruktur führt (10 Takte in jeder Wiederholung statt vier oder acht).

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