Burg Frankenberg

(Ueber 450 m hoch).

Nordöstlich von Roßdorf, das Rosathal entlang, erreichen wir das freundliche Dörfchen Helmers (Helmerichs), unterhalb des Einflußes der Fischbach in die Rosa, am Zusammenstoß von vier Thälchen, an der alten Frankfurter Straße.

Brückner sagt: „Dicht über diesem Orte gewahrt man im Walde und über ihn hinausragend die Ruine Frankenberg, die ein 90 Fuß hohes  viereckiges Mauerwerk, einen 6 Fuß dicken Turm ohne Eingang und noch zwei Fensteröffnungen sehen läßt. Die Burg war ursprünglich frankensteinisch, der Sage nach aus dem fünften Jahrhundert. Längs des Flüßchens Fischbach im Süden lief die Grenze von Frankonien.“ Spieß drückt sich etwas anders aus, indem er schreibt: „Schon im 6. Jahrhundert sollen Frankenberger, eine besondere Linie der Frankensteiner, deren Stammburg unweit Salzungen lag und die 1266 zerstört wurde, in der Burg Frankenberg gehauset haben.“ Spangenberg erzählt, wie Brückner: „Das alte Schloß« Frankenberg trug 1278 der ,,Dynast« Heinrich von Frankenberg der Abtei Hersfeld zu Lehn aus, und durch Herrn Adolf, Abt, wurde es dem mächtigen Grafen Berthold VI. von Henneberg, der zugleich Burggraf zu Würtzburg war, wegen vielfältiger Treue, die er dem Stifte geleistet, übertragen. Nach Aussterben der Linie Frankenstein und „Stein“ (Altenstein) ging es ganz an Henneberg über. Als 1347 Graf Johann I. nach dem Tode seines Bruders, des Fürsten Heinrich, das Land desselben mit seines Bruders hinterlassener Witwe, Frau Gutten (Jutta) teilte, bekam Fürst Hanß unter anderm auch Frankenberg. Ein Burgmann, der zugleich Amtmann war, verwalteteSchloß und Amt. 1349 war z. B. Blaufuß dort Burgmann. Heim schreibt (im II. Teil s. Chron. bezw. III. Teil des Spangenberg): „Auf dem Schloß Frankenberg sind die von der Tann Burgmänner gewesen und haben sich Tann von Frankenderg geschrieben; die ältesten sind Hartung und Caspar von der Tann. Nachdem die Burg eingegangen, haben sie sich nach Nordheim vor der Rhön gewandt.“ Der letzte Burgmann war Heinz v.d. Tann. In dem von Bechstein und Brückner herausgegebenen historischen Taschenbuch für Thüringen und Franken erzählt Rückert: „Als im 11. Jahrhundert aus den Trümmern der Gaugrafschaften die erblichen Herrschaften der mächtigen Geschlechter erwuchsen, bildete sich in dem fränkischen Gaue Tullifeld und aus dem anstoßenden Landstriche des thüringischen Westergaues die weitläufige Herrschaft Frankenstein, von Berka a./W. hinauf bis über Breitungen und von dem Rücken des Thüringerwaldes bis zum Höhenzuge zwischen dem Felda- und Ulsterthale. Die Abstammung: des Geschlechtes der Frankensteiner liegt noch im Dunkeln. (Nicht weit von Lichtenberg im Odenwalde ist auch eine Burg Frankenstein, bei Darmstadt). – Aus den Gütern des Hennebergischen Hauses im Gaue Tullifeld und in der Lupnitzer Mark und sonst in Thüringen mag die Herrschaft Frankenstein entstanden sein. Graf Poppo von Henneberg-Wasungen, welcher (wie es ein Veßraer Mönch berichtet) 1118 gestorben ist, habe von seiner Gemahlin Beatrix – einer Tochter des Grafen Erwin von Gleichen, 3 Söhne hinterlassen: Poppo von Irmelshausen, Gottwald von Wasungen und Ludwig von Frankenstein (der 3. Sohn Poppo’s II.). Von diesem Besitzer Ludwige lassen sich auch die fernern Besitzer dieser Herrschaft bis zu deren Auflösung um die Mitte des 14. Jahrhunderts ableiten. Im 13. Jahrhundert war die Burg Frankenberg der Sitz einer frankensteinischen Linie, 1247, von welcher uns drei Gebrüder: Heinrich und Otto von Frankenberg und Poppo vom Stein genannt werden. Die Gemahlin des Letztern war eine verwitwete von Nithardishusen. Aus diesem Stamme sproßten die Nebenlinien Kreyenberg und Frankenberg, und aus dieser letztern wieder die Linie vom Stein.“

Der Frankenberg steigt, den Rosagrund und das Werrathal bei Frauenbreitungen beherrschend, aus der östlichen Vorstufe des basaltischen Bleßberges empor. Im Bruderkriege, zwischen Kurfürst Friedr. II. d. Sanftmütigen und Herzog Wilhelm von Sachsen, wurde Schloß Frankenberg (1448) zerstört. Sein noch frisch aussehender Thurm, welcher selbst den Verheerungen des Bauernaufruhrs noch Trotz bot, dient gegenwärtig, von schlanken Hainbuchen umgeben, einer Familie von Wanderfalken zum Wohnsitze; ungeachtet der Verfolgung von Seiten kecker Dorfjungen horsten sie, jährlich wiederkehrend auf den hohen Zinnen“. Spieß nennt diese Edlen vom Frankenstein „Falko peregrinans, welche sich auf ihr jus naturae et historiae (natürliches und geschichtliches Recht) stützend, diese Burg als unbestrittenes Eigenthum betrachten.“

Unverdrossene Bergsteiger und besondere Freunde des buchonischen Waldes dürften sich von Frankenberg aus sehr angezogen fühlen, nordwestlich direkt über den „Bleß“ zu wandern und tagelang eine ununterbrochene Waldtour bis Stadtlengsfeld auszuführen. Wir wenden uns aber für diesmal südöstlich, wieder zu dem in Heft I S. 19 u. 20 genannten Wüstungsgebiet, um die Stätte einer ehemaligen Burg aufzusuchen.


aus
C. E. Bach
„Im Tullifeld“
Eine historisch-landschaftliche Umschau in engerer Heimat
– der Vorderrhön –


Bücher und DVD über Geschichte, Landschaft und Kultur der Rhön und Thüringens
– nach Themen sortiert –


 

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