J. S. Bach: Fuge Fis-Dur, BWV-Anhang Nr. 97

Dieses mit versierter Routine nach allen Regeln der Kunst gebaute, doch keineswegs nur „akademisch“ daherkommende, sondern den melancholisch-nachdenklichen Zug seines Themas in lebendiger Steigerung bewältigende Orgelstück ist im historischen Genre des „stile antico“ (in seiner hochbarocken, mit wohltemperierter Stimmung rechnenden Ausformung) komponiert. Als Folge dieser entindividualisierenden Normierung kann es in Zweifelsfällen Schwierigkeiten bei der Bestimmung des Autors einer solchen Komposition geben. Die meisten der nicht gerade zahlreichen Quellen der Fis-Dur-Fuge weisen das Stück Bachs Lieblingsschüler Johann Ludwig Krebs zu. Weiterlesen

Camille Saint-Saëns: Rhapsodie auf bretonische Melodien op. 7 Nr. 2

Allen Lesern und Freunden wünsche ich, dass sie alle ihre guten Vorsätze fürs Jahr 2017 in die Tat umsetzen können. Ein wenig unverhofftes Glück wird wohl dazu auch notwendig sein – ich erhoffe es für Euch!

Zu den drei Rhapsodien auf bretonische Melodien werde ich in späteren Beiträgen über die Orgelmusik von  Camille Saint-Saëns noch etwas sagen – die schwungvolle Fanfare der Nummer zwei spricht für sich und sie möge uns Mut machen unseren Utopien eine Chance in der Wirklichkeit zu geben. Was wir tun, sollten wir tun, weil wir eine Funktion unserer Natur zu erfüllen haben und uns dabei um Kritik und Lob nicht über das uns zuträgliche Maß scheren.

Noch in seinen letzten Jahren schrieb Camille Saint-Saëns an einen deutschen Journalisten: „Ich bin wenig empfänglich für Kritik und für Lob, nicht aus übersteigertem Selbstgefühl, was eine Dummheit wäre; doch da ich Werke hervorbringe, um eine Funktion meiner Natur zu erfüllen, so wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringt, brauche ich mich um die Meinung, die man über mich äußern mag, nicht zu beunruhigen.

 

J. S. Bach: Fuge C-Dur, BWV-Anhang Nr. 90

Das schwungvolle, aber völlig anspruchslose, in einer kürzeren von 31 und einer längeren Fassung von 45 Takten überlieferte Stück hat trotz massiver Zweifel an seiner Authentizität Eingang in den Ergänzungsband der Neuen Bach-Ausgabe von 2003 (NBA IV, 11) gefunden. Grund dafür ist seine Zuweisung an Bach im Kontext einer Handschrift aus dem Schülerumfeld Bachs, die zahlreiche echte Werke überliefert (die Fuge erscheint hier in ihrer erweiterten Form). Von Stilkriterien und der bescheidenen Qualität einmal abgesehen, ergibt sich eine Frühdatierung allein schon daraus, daß das Stück auch in einem Tabulaturbuch vorliegt, das ausnahmslos Ende des 17. Jhdts. entstandene Kompositionen bietet. So ist die Möglichkeit nicht auszuschließen, daß uns hier ein ganz früher kompositorischer Versuch des fast noch kindlich jugendlichen Bach vorliegt. [Link zur Quelle]

Analysen von Joachim Winkler:

Ich habe dieses Orgelwerk mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wiens eingespielt.

J. S. Bach: Fuge F-Dur, BWV-Anhang Nr. 42

Diese freundlich-gediegenen 84 Takte typisch Bachischer Alla-breve-Musik klingen so, als habe jemand den Meister – in einer Phase schon längst routiniert-versierter Könnerschaft – darum gebeten, einmal einem interessierten Laien klar und einfach vorzuführen, was eigentlich eine Fuge ist und wie sie funktioniert. Denn so unprätentiös (und auch leicht ausführbar) dieses Stück einerseits daherkommt, so geschmeidig, ansprechend und bei aller Regelhaftigkeit frei von akademischer Steifigkeit ist es andererseits. [Link zur Quelle]

Analysen von Joachim Winkler:

Ich habe dieses Orgelwerk mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wiens eingespielt.

J. S. Bach: Fantasia c-moll BWV 1121

Die Fantasie c-Moll BWV 1121, überliefert im Andreas-Bach-Buch, galt lange Zeit (ohne BWV-Nummer) als das Werk eines „Anonymus der norddeutschen Schule“. Die Bachforscher Seiffert und Keller wollten Buxtehude beziehungsweise Bach zum Autor „dieses wundersamen Stückes“ machen. Tatsächlich besticht die Kantabilität der Stimmen, ebenso auch die formale Anlage. Stilistisch steht die Fantasia der Canzona nahe, insbesondere durch den chromatischen Kontrapunkt. Das Pedal ist nicht obligat.

Über Bach, seine Musik und eine Analyse dieses Orgelwerks: Weiterlesen

J. S. Bach: Vier Duette BWV 802-805 für Orgel

00:07 – Duetto I e-moll BWV 802 (Passion)
02:55 – Duetto II F-Dur BWV 803 (Ostern)
06:09 – Duetto III G-Dur BWV 804 (Himmelfahrt)
08:55 – Duetto IV a-moll BWV 805 (Pfingsten)

Die Vier Duette BWV 802 bis 805 sind ein Kleinzyklus im großen Kosmos des Dritten Theils der Clavier Übung, denn sie gehören nicht nur stilistisch zusammen, sondern sind auch durch ihre Tonartenfolge (e – F – G – a) als eine Einheit konzipiert. Ihre Anzahl lässt wieder an das ganze Universum denken (vier Himmelsrichtungen, vier Jahreszeiten, vier Charaktere etc.), sodass keineswegs auszuschließen ist, dass Bach mit der Einfügung der vier Stücke hier auf die Gültigkeit der Inhalte der „Orgelmesse“ für „alle Welt“ (Albert Schweitzer hat den Dritten Theil der Clavier Übung als Orgelmesse bezeichnet) hindeuten wollte. Der Bachforscher Gunther Hoffmann sieht sogar die großen Aspekte des Lebens und Wirkens Jesu darin dargestellt: Passion – Ostern – Himmelfahrt – Pfingsten. Weiterlesen

J. S. Bach: Pedalexercitium g-moll BWV 598

Dieses Pedalexercitium war ganz gewiss nicht zum meditativen Ohrenschmaus ergriffener Zuhörer bestimmt, sondern als Übungsstück für die technischen Fertigkeiten – als handwerkliche kann man sie ja schlecht bezeichnen  –    angehender Organisten gedacht. Es hört sich für mich jedoch verblüffend echt nach Musik von Rhapsody of Fire mit Luca Turilli an, darum habe ich den noch unbekannten Rockmusiker „Crazy  J. S. Bach” gebeten in einer sozusagen Crazy-Version die Orgelpfeifen durch das übliche Instrumentarium einer Heavy-Metal-Band zu ersetzen und live mit der gesamten Bachfamilie in Wacken aufzuspielen. Und wie man im Videomitschnitt ihrer Performance sieht, haben sie dort jung und alt in hemmungslose Ekstase versetzt. Weiterlesen

J. S. Bach: Concerto d-moll BWV 596

00:06 – 1. (ohne Bezeichnung)
00:44 – 2. Grave
01:29 – 3. Fuga
04:43 – 4. Largo e spiccato
06:47 – 5. (Allegro)

Das Concerto d-moll BWV 596 von Antonio Vivaldi ist der Gipfelpunkt der Konzertbearbeitungen in Bachs Orgelschaffen. Aufgrund einer fehlgedeuteten Notiz auf dem Autograph galt es lange Zeit als „Orgelkonzert von Friedemann Bach“ und feierte als Beleg für das Talent des ältesten Bach-Sohnes Triumphe – unter anderem auch in Transkriptionen für Klavier! Seit jedoch Max Schneider im Jahr 1911 die Vorlage entdeckte, das Concerto grosso für zwei Violinen, Violoncello, Streichorchester und Basso continuo op. 3 Nr. 11 von Antonio Vivaldi, ist die Sachlage klar. Aufschlussreiche originale Registrieranweisungen Bachs im Autograph verleihen dieser Transkription zusätzliches Gewicht. Bach ging mit großer Sorgfalt an die Arbeit. Das Werk entspricht in seiner formalen Anlage einer Sonata da chiesa mit der Satzfolge Langsam-schnell-langsam-schnell. Weiterlesen

J. S. Bach: Concerto C-Dur BWV 595

Dieses Konzert ist die Transkription eines Concerto des bereits 1715, im Alter von nur 18 Jahren, früh verstorbenen Prinzen Johann Ernst von Sachsen-Weimar. Die Bearbeitung des Concerto C-Dur BWV 595 ist unvollständig, die Orgelfassung beschränkt sich auf einen einzigen Satz. Das Original ist nicht erhalten; es lässt sich allenfalls aus Bachs Bearbeitung für Cembalo BWV 984 (in drei Sätzen) erschließen. Der Vergleich beider Transkriptionen vermittelt jedoch interessante Erkenntnisse. So ist in der Cembalofassung BWV 984 der erste Satz beträchtlich kürzer als die wirkungsvollere (!) Orgeltranskription: Bach hat also, durch eine Erweiterung, der Form mehr Ausgewogenheit verliehen. Das Thema des Konzertsatzes kehrt ritornellartig immer wieder und stellt auch das Material der Zwischenspiele bereit. Dies und die deutliche Gliederung in Halbtakte mit regelmäßigen Echo- und Sequenzbildungen wirken auf die Dauer etwas ermüdend. Zahlreiche gekonnt eingesetzte Elemente des italienischen Stils weisen jedoch darauf hin, dass der Prinz durchaus begabt war. Manches wie beispielsweise der regelmäßige Manualwechsel deutet im Bachschen Schaffen sogar schon auf die Dorische Toccata BWV 538 voraus, mit dem Spiel zwischen zwei Manualen nach Art eines musikalischen Zwiegesprächs.

Über Bach, seine Musik und eine Analyse dieses Orgelwerks:

Ich habe bereits eine andere Version der Registratur dieses Concerto versucht, ich hoffe, diese Version ist nun optimal, da mir die Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wiens wesentlich mehr Möglichkeiten der Registratur dieses Orgelwerkes bot.

Meine erste Fassung dieses Bachschen Orgelwerkes habe ich mit Samples der historischen Orgel in Forcalquier eingespielt.

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