Camille Saint-Saëns: Le rouet d’Omphale op. 31

Das Spinnrad der Omphale  
(Sinfonische Dichtung, Transkription für Orgel)

Eine altgriechische Sage, von Apollodoros erzählt, berichtet, dass Herakles nach Vollendung der ihm auferlegten zwölf Arbeiten, bei der lydischen Königin Omphale drei Jahre dient, und dort, in ihren Diensten, weibisch geworden, in Frauenkleidern widerwillig Wolle spann, während die Königin sich der Löwenhaut und der Keule, der Beute des Helden, bediente. Diesen Mythos erwählte sich der französische Musiker als Vorlage, er spricht seine künstlerischen Absichten in folgendem Vorwort zur Partitur aus:

Der Gegenstand dieses sinfonischen Gedichtes ist die weibliche Verführungskunst, der triumphierende Kampf der Schwachheit gegen die Kraft. Das Spinnrad ist nur ein Vorwand, gewählt alleine unter dem  Gesichtspunkte des Rhythmus und der allgemeinen Haltung des Stückes.

Weiterlesen

Camille Saint-Saëns: Drei Rhapsodien über bretonische Gesänge, op. 7

Trois Rhapsodies sur des cantiques bretons, op. 7

Im August 1866 begleitete Saint-Saëns vier Maler, zu denen auch sein Freund Henri Regnault gehörte, auf einem Ausflug in die Bretagne. Hinzu kam später Gabriel Fauré, der seit Januar Organist von Saint-Sauveur in Rennes. Zusammen machten sie eine Pilgerfahrt zum Schrein von Sainte-Anne-la-Palud. Während dieser Reise komponierte Saint-Saëns drei „Rhapsodies sur des cantiques bretons“, op. 7 (Nr. 1: E-Dur; Nr. 2: D-Dur; Nr. 3: a-moll), lose gebildete Fantasien auf bretonischen Hymnen und widmete sie seinem ehemaligen Klavierstudenten Fauré.

Die drei Rhapsodien klingen bunt, naiv, volkstümlich, verführen durch schlichte Melodien und Glitzersternchen-Himmel. Nr. 1 in E-Dur (siehe weiter unten) und Nr. 3 in a-moll klingen wie Hirtenmusik in prägnanten Zungenregistern, das Allegro moderato e pomposo“ der Nr. 2 in D-Dur (siehe auch den Blog-Beitrag über Camille Saint-Saëns: Rhapsodie auf bretonische Melodien op. 7 Nr. 2) in der Mitte als martialische Trompeten-Fanfare mit knackigem Sound und buntem Farb-Feuerwerk, bei der – als Lichtblick dazwischen – die Engelsstimmen der Voix céleste nicht fehlen durften.

Die eingebetteten Videos und ausführlichere Besprechungen der drei Stücke folgen am Ende des Beitrages. Weiterlesen

J. S. Bach: Sonate Nr. 1 Es-Dur BWV 525 (Riegerorgel Wien)

YouTube-Video mit alternativer Registrierung

  • 00:06 – 1. (Allegro) – von Mozart nahestehendem Charme. Themenexposition, im Alt beginnend – Kadenz in der Grundtonart – Themendurchführung mit Umkehrungen etc., zur Dominante führend – 2. Themenexposition, beginnend im Sopran – 2. Durchführung mit Modulationen (f-Moll, As-Dur, c-Moll) bis zur Themenumkehrung im Alt. Abschließend erklingt das Thema im Pedal.
  • 03:14 – 2. Adagio  – Zweiteilige Liedform, c-Moll, 12/8-Takt, aber nicht im Siciliano-Charakter, sondern vielmehr eher dem eines Klagegesangs über ein Thema, das der Passacaglia c-Moll und dem Eingangschor der Matthäus-Passion nahesteht.
  • 06:56 – 3. Allegro – Wieder eine zweiteilige Liedform, mit einem energisch-schreitenden Thema im Stil der Schluss-Sätze Corellis, vom lebhaft-bewegten Charakter der Gigue, wirkungsvoll dem Klagegesang des 2. Satzes kontrastiert. Die erste Themenexposition und -durchführung führt zur Dominante, die zweite Exposition von der Subdominante zur Tonika. Mit der transponierten Durchführung und vertauschten Oberstimmen schließt der Satz.

Weiterlesen

J. S. Bach: Sonate Nr. 2 c-moll BWV 526 (Riegerorgel Wien)

  • 00:06 – 1. Vivace – Form im Stil eines Konzerts für zwei Violinen. 4 Hauptsätze in c-Moll, Es-Dur, g- und c-Moll sind, deutlich abgesetzt, in eine Vielzahl abwechslungsreicher Seitensätze eingebettet.
  • 04:19 – 2. Largo – Es-Dur (Tonikaparallele), einteilig; mit seinen Seufzerketten steht es der Fantasie c-Moll nahe. Wie diese mündet auch das Largo in einen Halbschluss auf G, als Dominante unmittelbar hinführend zu
  • 07:57 – 3. Allegro (alla breve) – wiederum in c-Moll. In diesem Finale verbindet Bach in der rondoartigen Großform ABABA die fugierte Form im Hauptsatz mit der Konzertform im Seitensatz. Dessen leidenschaftliche Emphase wird bei der Wiederkehr des Hauptsatzes durch Engführungen noch weiter gesteigert. Im Schlussabschnitt werden wieder die Oberstimmen vertauscht.

Weiterlesen

J. S. Bach: Sonate Nr. 3 d-Moll BWV 527 (Riegerorgel Wien)

  • 00:06 – 1. Andante – eine dreiteilige Form des Liedes beziehungsweise der Dacapo-Arie mit zwei Themen.
  • 05:14 – 2. Adagio e dolce – ein lyrisch-gesangliches Thema von plastischer Deklamation. Wohl wegen seiner Expressivität nahm Bach den Satz später in sein Tripelkonzert a-Moll (BWV 1044) auf.
  • 08:44 – 3. Vivace – eine phantasievolle Rondoform, in welcher sich Refrain und Strophen durch ihre rhythmische Zweier – beziehungsweise Dreiergliederung unterscheiden. Der Bass bildet die metrische Grundlage des menuettartigen 3/8-Taktes.

Weiterlesen

J. S. Bach: Sonate Nr. 4 e-moll BWV 528 (Riegerorgel Wien)

  • 00:06 – 1. Adagio/Vivace – der Eingangs-Sinfonia zu Kantate 76 (1723) entlehnt. Drei Hauptsätze sowie die Coda mit dem Hauptmotiv werden durch divertimentoartige Zwischensätze untergliedert. Eine „Auflösungstendenz“ am Schluss führt unmittelbar hin zum
  • 02:33 – 2. Andante – Auch hier existiert eine Variante in d-Moll; der Vergleich mit dieser Frühfassung zeigt sehr schön die Bereicherung durch kleinere Notenwerte und eine spannungsintensivere Basslinie, die dem Satz mehr Lebendigkeit verleiht. Dieser 2. Satz ist der gewichtigste der Sonate, allein schon auf Grund seiner Ausdehnung, aber auch durch die weitausgespannten, expressiven Melodiebögen.
  • 07:03 – 3. Un poco allegro – Fugiertes Finale mit thematischer Beteiligung des Pedals, das im Hauptthema sogar die Triolen zu übernehmen hat. Deutlich sind Elemente der Fuge vertreten; Hauptsatz und Durchführung wechseln miteinander ab. Die Gesamtform lässt sich als fugierender Dacapo-Konzertsatz umreißen. Dieser Satz sollte einmal zwischen Präludium und Fuge G-Dur BWV 541 stehen und diese damit zur dreisätzigen (Konzert-) Form erweitern; der Plan wurde von Bach aber wieder verworfen.

Weiterlesen

J. S. Bach: Sonate Nr. 5 C-Dur BWV 529 (Riegerorgel Wien)

Diese Sonate ist die größte des gesamten Zyklus und steht dem dialogisierenden Konzert am nächsten.

  • 00:06 – 1. Allegro – Konzertsatz in Form eines Rondos (ABABA) beziehungsweise erweiterte Liedform von vollendeter Symmetrie mit vollständigem Dacapo des Hauptsatzes als Abschluß.
  • 05:13 – 2. Largo – ebenfalls Konzertsatz in Dacapo-Form mit überzeugend ausgearbeiteten, expressiven Melodiebögen. Auch dieser Satz sollte einmal in einer dreisätzigen Form zwischen Präludium und Fuge C-Dur BWV 545 stehen.
  • 10:09 – 3. Allegro – fugierte Konzertsatzform mit raschen Wechseln zwischen Haupt- und Seitensätzen. Das erste Thema erscheint auch in den Seitensätzen; überhaupt sind die Themen auch in den Durchführungen miteinander verknüpft zu mitreißend verschlungenen fugierten Bildungen, deren Wirkung durch Engführungen noch gesteigert ist.

Weiterlesen

J. S. Bach: Sonate Nr. 6 G-Dur BWV 530 (Riegerorgel Wien)

YouTube-Video mit alternativer Registrierung (Zungenpfeifen)

  • 00:06 – 1. Vivace – eine Art Trio für zwei Instrumente und Continuo in der Form eines Konzerts. Die vier Hauptsätze mit Durchführungscharakter sind in freie, homophone Zwischenspiele eingebettet. Die Themen des Haupt- wie des Seitensatzes werden in weit ausgreifenden Modulationen durchgeführt und miteinander verknüpft.
  • 03:38 – 2. Lente – ein liedartiger Satz von ausgeprägter Haltung des Klagegesangs (vgl. die „Erbarme dich“–Arie aus der Matthäus-Passion), obgleich im Rhythmus eines Siciliano (6/8). Das allgemeine menschliche Leiden ist ohne falsches Pathos ausgedrückt und sicherlich für jeden Hörer unmittelbar deutlich und anrührend.
  • 07:27 – 3. Allegro – Auch hier folgt (wie in BWV 525) ein fröhlich-beschwingter Finalsatz als effektvoller Kontrast zum vorausgehenden Lamento. Die formale Anlage ist deutlich dreiteilig und von vollendeter Symmetrie: Hauptsatz (1. Thema) – Seitensatz (2. Thema) – Hauptsatz (Reprise der Exposition mit vertauschten Stimmen): ABA CAC ABA.

Weiterlesen

J. S. Bach: Fuge g-moll BWV 131a

Die g-moll-Fuge BWV 131a ist keine Originalkomposition, sondern eine Transkription, besser gesagt: kompositorische Umarbeitung der zweiten Hälfte des Schlusssatzes der Kantate „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ (BWV 131). Wie aus einem Vermerk Bachs auf dem Kantatenautograph ersichtlich (eines der frühesten größeren Bachoriginale, das die Zeiten überdauert hat!), entstand das Werk in den Mühlhausener Jahren (1707-1708). Es bezeugt die erstaunliche Versiertheit, Gestaltungs- und Ausdruckskraft, über die der 22jährige als Vokalkomponist bereits verfügte. [Link zur Quelle]

Analysen von Joachim Winkler:

Ich habe dieses Orgelwerk mit Samples der Rieger-Orgel im Konzerthaus Wiens eingespielt.

1 2 3 4 48