Antonio Soler: Fandango d-moll R. 146

eingespielt mit Samples eines zweimanualigen Instruments von Jacob Kirckman aus dem Jahre 1766 mit 6 Registerkombinationen, darunter oberer 8′, unterer 8′ (Prinzipal 8′), beide 8′ gemeinsam, 4′, Lautenzug und der nur beim Kirckman vorhandene Nasalzug.

“Gegen Mitternacht hat sich mir ein entzückendes Schauspiel geboten, als zu den Klängen der Musik und zum Händeklatschen die Paare zu dem tollsten Tanz antraten, den man sich denken kann. Es war der berühmte Fandango. Ich hatte ihn bisher nur in Italien und Frankreich auf der Bühne tanzen sehen, aber die Tänzerinnen hatten sich wohl gehütet, jene Bewegungen zu machen, durch die der Fandango der verführerischste und wollüstigste Tanz der Welt wird. Er lässt sich nicht beschreiben; jedes Paar, Mann und Weib, macht nur drei Schritte und klappert zum Klang der Musik mit den Kastagnetten; dabei aber nehmen sie tausend Stellungen ein und machen Bewegungen von einer unvergleichlichen Sinnlichkeit.” Dem Experten für Sinnlichkeit schlechthin, Casanova, verdanken wir diese Beschreibung des Fandango. Sie ist ein authentisches Dokument für die Aura des Erotischen, die den andalusischen Volkstanz, einen Vorläufer des Flamenco, umgab und ihm zum Siegeszug in ganz Europa verhalf – bis hinauf ins sittenstrenge Wien Glucks und Mozarts (Fandango in Figaros Hochzeit).
Auch die spanischen Cembalisten wetteiferten im Genre des Fandango. Der berühmteste stammt von Antonio Soler Ramos. Dass sein Komponist Organist des Klosters Escorial bei Madrid war, hört man diesem Stück wahrlich nicht an. Es inszeniert den erotischen Zauber des Tanzes so unbändig, ja geradezu inbrünstig, dass man vermuten könnte, in dem Musiktheoretiker und geistlichen Komponisten Soler habe ein sehr weltlicher Kopf gesteckt.
Der Aufbau entspricht dem traditionellen Muster des Fandango. Auf die langsame Einleitung (Tiento) folgt der eigentliche Fandango, der aus freien Variationen über eine immer gleiche Akkordfolge besteht. Der Reiz liegt hier weniger in der harmonisch-satztechnischen Substanz (wie etwa in den Fugen eines Albero) als vielmehr in der puren Freude am Rhythmus, am virtuosen Applomb und am kapriziösen Einfall. Es ist eine durchaus reizvolle Frage, was aus dieser provokant-primitiven Musik geworden wäre, wenn Bach doch einen Fandango komponiert hätte.

 Karl Böhmer

Nahl: The Fandango

The Fandango
von Charles Christian Nahl (1873)

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